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NAS Whisky’s und seine langfristigen Folgen für den Whiskymarkt

07.Sep 2017

NAS Whisky’s und seine langfristigen Folgen für den Whiskymarkt



Seit geraumer Zeit ist bei Herstellern ein Trend zu Whiskys ohne Altersangabe zu beobachten.

Was steckt dahinter? Eine Spurensuche… NAS bedeutet No Age Statement

Einerseits findet sich die Antwort zweifelsfrei im Single Malt Boom, den wir seit einigen Jahren erleben. Brennereien haben vermehrt ältere Whiskys auf den Markt gebracht.

Es galt weitläufig die Annahme, dass ein 18 jähriger Whisky besser ist und mehr kosten darf, als ein 15 jähriger, oder 12 jähriger usw.

Andererseits ist der Whiskyvorrat bei den Herstellern nicht unbegrenzt. Die Tatsache dass die Produktion eines schottischen Whiskys mindestens 3 Jahre – bei Single Malts jedoch eher 10, 12, 15 oder mehr Jahre dauert, bedeutet für die Hersteller einen enormen Planungsaufwand. Wer wqeiß schon heute, wie viel Whisky er in 12 Jahren trinkt? Genau dies wissen die Brennereien auch nicht.

Dieses Thema taucht immer wieder auf und war zum Teil für viele Schließungen und Neueröffnungen zahlreicher Brennereien verantwortlich.

Viele Bestände an Whiskys gehen zur Neige, aufgrund des globalen Fokus auf Whiskys mit hohem Alter. Die Brennereien können deshalb schlichtweg die Nachfrage nicht mehr bedienen. Aufgrund der weit verbreiteten Meinung, das nur ein alter Whisky ein guter Whisky ist, hat bei den Brennereien dafür gesorgt, dass man sich lange nicht getraut hat ein Alter von weniger als 10 Jahren auf das Flaschenetikett zu schreiben.

 

Welche langfristigen Folgen könnte NAS für den Whiskymarkt haben?

Die Meinungen polarisieren extrem. Von NAS will kill us all, bis hin zu der Ansicht, dass es beim Whisky auf die individuelle Qualität ankommen soll und nicht auf das Alter.

Richard Paterson von whiskyexperts.net ist der Ansicht, dass NAS gäbe dem Master Blender die Möglichkeit, das Vorhandene optimal zu nutzen. Leider gibt NAS auch dem Geldfetischisten im Konzern die Möglichkeit, fehlerhaftes Fass-Management zu Lasten der Qualität zu verschleiern und damit die Ware überteuert zu verkaufen.

Die essentielle Aufgabe allerdings dürfte dem Thema Transparenz zukommen.

Weder ist eine Altersangabe ein Garant für Qualität, noch sind es zusammengereimte Phantasienamen oder „Hintergrundgeschichten“ die ein findiger Werbetexter mit einem Strategic Planner geschrieben hat.

Durch NAS wird dem Konsumenten faktisch ein Stück Klarheit für seine Kaufentscheidung genommen und wird ersetzt durch das sprichwörtliche Rühren der Werbetrommel.

Die Konsumenten mögen das unterhaltsam finden, dennoch wird es langfristig für alle schädlich sein, wenn dann von den Brennereien mehr und mehr versucht wird, mittelmäßige Abfüllungen mit viel „Bling-Bling“ im Hochpreissegment zu verkaufen.

Es scheint dennoch einen Ansatz zu geben von dem sowohl Brennerei als auch Konsument profitieren können, nämlich dann, wenn die Leistungen der Blender und Master Destiller in den Mittelpunkt gestellt werden. Denn dort passiert die eigentliche Kunst – und nicht im alleinigen verstreichen der Zeit. Möglicherweise ist dann auch von Konsumenten zu hören: „Schön, welch einen hervorragenden Whisky der aus diesen 5jährigen Fässern gemacht hat“.

Wir sind dennoch der Meinung, dass eine Altersangabe ein Stück schottischer Whiskygeschichte ist und überdies auch eine moralische Verpflichtung darstellt, die nicht zuletzt auch eine gewisse Ehrlichkeit dem Kunden gegenüber zeigt.

Am Ende des Tages soll  jeder Whiskytrinker für sich selbst entscheiden, ob er NAS Whisky konsumiert oder genießt.

Wie seht ihr das?

Gruß Michael



VERÖFFENTLICHT DURCH:
Michael H. Böhm

Michael H. Böhm, CEO
Michael liebt Musik, kochen, lesen und guten Whisky. Er ist aus Frankfurt am Main in die schöne Domstadt Speyer gezogen. Jetzt vermisst er sehnlichst „Ebbelwoi“ mit Handkäs’. Mit sonnigem Gemüt, gelingt es ihm leicht über seinen eigenen Schatten zu springen, denn er wirbelt lieber Staub auf, als dass er Staub ansetzt.


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